Folge 126: Rock n’ Roll-Übermensch

Willkommen zurück im „Lockdown“, auch bekannt als „Zeit, mal wieder zu einem guten Buch zu greifen“. Und das bevorzugt aus der lokalen Buchhandlung eures Vertrauens – wir geben Tipps, um der vielfältigen Literaturszene durch die Pandemie zu helfen. Vielstimmig ist auch unsere Auswahl politischer Sachbücher, die wir anlässlich der US-Wahl kurz vorstellen.

Dann geht es – über einen schicksalsträchtigen Unfall auf der Londoner Abbey Road – ab in die DDR kurz vor dem Fall der Mauer. In „Der Mann, der alles sah“ begleiten wir den jungen Historiker Saul Adler nicht nur 1988 auf eine Reise in den „Ostblock“, sondern auch ins Jahr 2016, durch seine Erinnerungen und vor allem zu sich selbst. Es ist ein verschlungener Weg voller Abkürzungen und Rückschläge, den Deborah Levy in ihrem faszinierenden experimentellen Roman beschreibt.

Kurz vor dem Brexit-Referendum lernen sich Lucy (42, weiß, Lehrerin, getrennt lebende Mutter von zwei Söhnen) und Joseph (22, schwarz, Aushilfsmetzger und Freizeit-DJ) kennen und sind schnell voneinander angetan. Passt das… und wenn ja, wie? Die Grundidee mag als Romanze verkleidet daherkommen, aber wir lassen uns nicht täuschen: Mit „Just like you“ legt Nick Hornby einen klugen Gesellschaftsroman mit Witz und facettenreichen Charakteren vor.

Lyrische Kurzgeschichten mit der Stadt Sankt Petersburg als wiederkehrendem Motiv machen Polina Barskovas „Lebende Bilder“ aus: Von der titelgebende Geschichte, die im Winter 1941/42 zur Zeit der Leningrader Blockade spielt, bis hin zu fragmentarischen Porträts von Exilant*innen bieten die Erzählungen Einblicke in eine wechselvolle Geschichte. Allerdings fordert der Text einiges an Hintergrundwissen, auch die sehr lyrische Prosa erschwert seine Zugänglichkeit.

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Timecodes:

00:00:00 - Vorgeplänkel: US-Wahl, Lockdown
00:16:05 - "Der Mann, der alles sah" von Deborah Levy
00:29:02 - "Just Like You" von Nick Hornby
00:40:37 - "Lebende Bilder" von Polina Barskova

 

Buch-Infos:

Titel: Der Mann, der alles sah
Autorin: Deborah Levy
Übersetzung: Reinhild Böhnke
Verlag: Kampa (2020)
Preis (Buch/eBook): 23,00 € / 16,99 €
Länge: 288 Seiten
Genre: Erinnerungen, Verlust
Form: Hardcover
ISBN: 978-3311100287
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Titel: Just Like You
Autor: Nick Hornby
Übersetzung: Stephan Kleiner
Verlag: KiWi (2020)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 16,99 €
Länge: 384 Seiten
Genre: Gesellschaft, U.K.
Form: Hardcover
ISBN: 978-3462000399
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Titel: Lebende Bilder
Autorin: Polina Barskova
Übersetzung: Olga Radetzkaja
Verlag: Suhrkamp (2020)
Preis (Buch/eBook): 22,00 € / 18,99 €
Länge: 218 Seiten
Genre: Prosasammlung, Leningrader Blockade
Form: Hardcover
ISBN: 978-3518429426
Links: Verlag | LChoice (Affiliate)


weitere Shownotes:

Ece Temelkuran: Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur (Hoffmann und Campe, 2019)

Tim Marshall: Die Macht der Geographie: Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt (dtv, 2017)

Ronan Farrow: Das Ende der Diplomatie: Warum der Wandel der amerikanischen Außenpolitik für die Welt so gefährlich ist (Rowohlt, 2018)

George Packer: Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika (Fischer 2015)

Robert F. Kennedy: Dreizehn Tage. Die Verhinderung des Dritten Weltkriegs durch die Brüder Kennedy (Scherz, 1969)

Francis Fukuyama: Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet (Hoffmann und Campe, 2019)

Margarete Stokowski: Untenrum Frei (Rowohlt, 2016) & Die letzten Tage des Patriarchats (Rowohlt, 2018)

Sibylle Berg: Nerds retten die Welt: Gespräche mit denen, die es wissen (Kiepenheuer & Witsch, 2020)

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